BARF führt zu Nährstoffmängeln?
Ein häufiger Kritikpunkt an selbst zusammengestellten BARF-Rationen lautet, dass sich damit eine bedarfsgerechte Nährstoffversorgung nur schwer sicherstellen lasse. Häufig wird dabei auch argumentiert, dass nicht in jeder einzelnen Mahlzeit alle benötigten Nährstoffe exakt im richtigen Verhältnis enthalten seien.
Daraus wird teilweise geschlossen, dass BARF zwangsläufig zu einer Unter-, Über- oder Fehlversorgung führen müsse.
Doch so pauschal stimmt das nicht.
Eine BARF-Ration kann bedarfsgerecht zusammengestellt werden. Entscheidend ist allerdings, dass die Zusammensetzung stimmt.
Dabei muss nicht jede einzelne Mahlzeit für sich sämtliche Nährstoffe exakt im Tagesbedarf enthalten. Entscheidend ist vielmehr, dass der Hund über einen angemessenen Zeitraum bedarfsgerecht mit allen notwendigen Nährstoffen versorgt wird.
Nicht jede Mahlzeit muss identisch zusammengesetzt sein
Auch bei einer ausgewogenen Ernährung müssen nicht sämtliche Nährstoffe jeden Tag und in jeder einzelnen Mahlzeit exakt in derselben Menge aufgenommen werden.
Der Körper kann mit gewissen natürlichen Schwankungen in der Nährstoffzufuhr umgehen. Einige Nährstoffe können gespeichert werden, andere werden regelmäßig über die Nahrung zugeführt.
Deshalb wird eine Ernährung nicht danach beurteilt, ob jede einzelne Portion sämtliche Nährstoffe exakt im Tagesverhältnis enthält, sondern ob die Gesamtration bedarfsgerecht zusammengestellt ist.
BARF bedeutet nicht wahlloses Zusammenstellen
Dass nicht jede Mahlzeit für sich vollständig ausgewogen sein muss, bedeutet allerdings nicht, dass es bei einer BARF-Ration keine Rolle spielt, was und wie viel gefüttert wird.
Eine ausgewogene BARF-Ration folgt einem bestimmten Aufbau. Die verschiedenen Komponenten erfüllen unterschiedliche Aufgaben in der Nährstoffversorgung und müssen in geeigneten Mengen berücksichtigt werden.
Muskelfleisch allein stellt beispielsweise keine vollständige Ernährung dar. Ebenso wenig sollten einzelne Bestandteile einer Ration einfach ersatzlos weggelassen werden.
Entscheidend ist also nicht die perfekte Zusammensetzung jedes einzelnen Napfes, sondern eine durchdachte Zusammenstellung der gesamten Fütterung.
Nährstoffe dürfen sich über mehrere Mahlzeiten ergänzen
Bei einer BARF-Fütterung können sich die einzelnen Mahlzeiten durchaus unterscheiden.
An einem Tag können beispielsweise andere Fleischsorten oder Innereien gefüttert werden als an einem anderen. Dadurch unterscheiden sich zwangsläufig auch die jeweils aufgenommenen Nährstoffmengen.
Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass eine Unter- oder Überversorgung entsteht.
Die verschiedenen Bestandteile ergänzen sich innerhalb der Gesamtfütterung. Wichtig ist, dass dabei sinnvolle Zeiträume und Mengen eingehalten werden und nicht einzelne Bestandteile in völlig unverhältnismäßigen Mengen und großen Abständen gefüttert werden.
Mehr ist nicht automatisch besser
Der Gedanke, einen Nährstoff einfach irgendwann in besonders großer Menge zu füttern und damit eine längere Zeit „abzudecken“, wäre allerdings ebenfalls falsch.
Gerade bei Mineralstoffen und bestimmten Vitaminen ist eine sinnvolle Verteilung wichtig. Eine ausgewogene BARF-Fütterung bedeutet deshalb weder, dass jede Mahlzeit mathematisch identisch sein muss, noch dass Nährstoffe beliebig über lange Zeiträume ausgeglichen werden können.
Auch hier kommt es auf die fachgerechte Gestaltung der gesamten Ration an.
Komplettfutter macht die Umsetzung besonders einfach
Wer sich nicht bei jeder Mahlzeit Gedanken darüber machen möchte, welche Komponente heute in welcher Menge in den Napf gehört, kann eine BARF-Ration als Komplettfutter bzw. Komplettmischung vorbereiten.
Dabei werden die für die Ration vorgesehenen Komponenten in den berechneten Mengen zu einer größeren Gesamtmenge zusammengestellt und miteinander vermischt. Anschließend wird die fertige Mischung portionsweise verfüttert.
So muss nicht jeden Tag neu überlegt und zusammengestellt werden. Die einzelnen Bestandteile der berechneten Ration sind bereits gemeinsam in der Mischung enthalten.
Gerade im Alltag macht das die Rohfütterung deutlich einfacher. Eine größere Menge kann auf einmal vorbereitet und anschließend portionsweise eingefroren werden. Zum Füttern muss dann lediglich die entsprechende Portion aufgetaut werden.
Ein klassischer Wochenplan, bei dem die einzelnen Komponenten auf verschiedene Tage und Mahlzeiten verteilt werden, bedeutet dagegen deutlich mehr Aufwand beim Portionieren und bei der täglichen Umsetzung.
Besonders praktisch ist die Komplettmischung bei Welpen und Jungtieren
Da sich das Gewicht während des Wachstums laufend verändert, muss auch die benötigte Futtermenge regelmäßig angepasst werden. Bei einer Komplettmischung ist das unkompliziert möglich: Die Zusammensetzung bleibt zunächst bestehen und die täglich gefütterte Menge kann entsprechend der Gewichtsentwicklung angepasst werden.
Dadurch kann das Futter bereits vorbereitet und portioniert werden, auch wenn beispielsweise das genaue Gewicht eines Welpen zum Zeitpunkt des Einzugs noch nicht feststeht.
Ändert sich die benötigte Tagesmenge, müssen bereits vorbereitete Portionen nicht entsorgt oder mühsam um einzelne Komponenten ergänzt werden. Die vorhandenen Portionen können einfach weiter verfüttert werden, bis sie aufgebraucht sind – lediglich die verfütterte Menge wird entsprechend angepasst.
Auch wenn im Laufe des Wachstums eine Anpassung der Zusammensetzung notwendig wird, lässt sich die bisher vorbereitete Mischung in vielen Fällen zunächst aufbrauchen und anschließend die neu berechnete Mischung herstellen.
Hinzu kommt, dass gerade zu Beginn einer Futterumstellung ohnehin nicht möglichst viele verschiedene Komponenten gleichzeitig eingesetzt werden müssen. Ein auf einzelne Tage aufgeteilter Wochenplan würde deshalb häufig gar nicht die vermeintlich große Abwechslung bieten, sondern an mehreren Tagen sehr ähnlich aussehen.
Auch meine Standard-Futterpläne und Wachstumspakete erstelle ich deshalb als Komplettfutter. Die benötigten Komponenten und Mengen werden passend zum jeweiligen Tier berechnet und zu einer gemeinsamen Futtermischung zusammengestellt.
Wer eine andere Aufteilung oder Darstellungsform bevorzugt, kann dies selbstverständlich anfragen.
Eine Komplettmischung ist also nicht deshalb sinnvoll, weil jede einzelne Mahlzeit zwingend exakt gleich zusammengesetzt sein müsste. Sie ist vor allem eine einfache, flexible und alltagstaugliche Möglichkeit, eine berechnete BARF-Ration zuverlässig umzusetzen.
Besondere Vorsicht bei Welpen und Erkrankungen
Nicht in jeder Lebensphase besteht derselbe Spielraum.
Gerade bei Welpen und Jungtieren im Wachstum ist eine bedarfsgerechte Versorgung besonders wichtig. Auch bei bestehenden Erkrankungen können bestimmte Nährstoffe oder deren Verhältnis zueinander eine besondere Rolle spielen.
In solchen Situationen sollte die Fütterung deshalb entsprechend genauer und individuell geplant werden.
Fazit
BARF führt nicht automatisch zu Nährstoffmängeln.
Eine selbst zusammengestellte Ration kann bedarfsgerecht gestaltet werden – vorausgesetzt, ihre Zusammensetzung ist entsprechend geplant.
Nicht jede einzelne BARF-Mahlzeit muss dabei alle Nährstoffe exakt im gleichen Verhältnis enthalten.
Entscheidend ist, dass die gesamte Fütterung sinnvoll aufgebaut ist und den Hund bedarfsgerecht mit Energie und allen notwendigen Nährstoffen versorgt.
Wer es im Alltag besonders unkompliziert haben möchte, kann die berechnete Ration als Komplettmischung vorbereiten und portionsweise verfüttern.
Eine ausgewogene BARF-Fütterung muss also weder kompliziert sein noch jeden Tag neu zusammengestellt werden. Entscheidend ist, dass die Gesamtration stimmt.
© Franken-BARF
