BARF geht auch ohne Obst & Gemüse?
Bei der Frage, ob Hunde bei einer BARF-Fütterung überhaupt Obst und Gemüse benötigen, gehen die Meinungen teilweise weit auseinander.
Während manche Fütterungskonzepte einen größeren pflanzlichen Anteil vorsehen, verzichten andere nahezu vollständig darauf.
Aber wozu sind Obst und Gemüse in einer BARF-Ration eigentlich da? Und was passiert, wenn ein Hund sie nicht frisst oder nicht verträgt?
Obst und Gemüse haben in der BARF-Ration eine bestimmte Aufgabe
Hunde sind keine reinen Fleischfresser, sondern werden als fakultative Karnivoren eingeordnet. Neben tierischer Nahrung können sie auch pflanzliche Bestandteile aufnehmen und verwerten.
Beim BARF orientiert sich die Zusammensetzung der Ration am Beutetierprinzip. Dabei geht es allerdings nicht darum, den Mageninhalt eines großen Beutetieres nachzuahmen. Dieser wird von Wölfen bei größeren Beutetieren in der Regel gerade nicht vollständig mitgefressen.
Pflanzliche Bestandteile werden in der natürlichen Ernährung dennoch aufgenommen – beispielsweise über Gräser, Früchte, Kräuter oder andere Nahrungsquellen.
In der BARF-Ration übernehmen Obst und Gemüse deshalb vor allem eine andere wichtige Aufgabe: Sie liefern Faserstoffe.
Ballaststoffe unterstützen die Verdauung
Faserstoffe werden nicht einfach nur als „unnötiger Pflanzenanteil“ durch den Verdauungstrakt geschleust.
Unterschiedliche Faserstoffe erfüllen unterschiedliche Funktionen.
Unlösliche Faserstoffe können unter anderem das Volumen des Darminhalts erhöhen und dadurch Darmbewegung und Darmpassage unterstützen.
Bestimmte lösliche Faserstoffe können dagegen von Darmbakterien fermentiert werden und dienen damit einem Teil des Darmmikrobioms als Nahrungsgrundlage.
Genau deshalb ist die Frage nach Ballaststoffen nicht nur eine Frage der Kotmenge, sondern auch für das Milieu im Darm interessant.
Das bedeutet allerdings nicht: Je mehr Ballaststoffe, desto besser.
Auch zu viele Faserstoffe sind nicht sinnvoll
Ein sehr hoher Anteil an Faserstoffen kann die Verdaulichkeit der gesamten Ration reduzieren und die Kotmenge erhöhen.
Wie so häufig in der Ernährung kommt es deshalb auf eine sinnvolle Menge und Zusammensetzung an.
Bei einer BARF-Ration werden die benötigten Faserstoffe üblicherweise über den vorgesehenen pflanzlichen Anteil aus Gemüse und Obst bereitgestellt.
Sind Obst und Gemüse hauptsächlich für die Vitaminversorgung da?
Das wird häufig angenommen.
Natürlich enthalten Obst und Gemüse Vitamine, Mineralstoffe und zahlreiche weitere Pflanzeninhaltsstoffe.
Ihre Hauptaufgabe innerhalb einer klassischen BARF-Ration besteht jedoch nicht darin, sämtliche Vitamine und Mineralstoffe des Hundes bereitzustellen.
Viele wichtige Nährstoffe werden über die tierischen Bestandteile und die gezielt eingesetzten Ergänzungen der Ration geliefert.
Obst und Gemüse sind deshalb nicht einfach das „Vitaminpräparat“ der BARF-Ration.
Warum werden Obst und Gemüse häufig zerkleinert oder püriert?
Hunde können pflanzliche Zellstrukturen nicht in gleicher Weise aufschließen wie Pflanzenfresser.
Durch Zerkleinern, Pürieren oder je nach Fütterung auch durch eine entsprechende Verarbeitung kann die pflanzliche Nahrung deshalb für den Hund besser nutzbar gemacht werden.
Außerdem gibt es einen ganz praktischen Vorteil: Viele Hunde würden größere Gemüsestücke einfach aussortieren, während fein zerkleinerte Bestandteile innerhalb einer Futtermischung wesentlich besser akzeptiert werden.
Gerade bei einer Komplettmischung lässt sich der pflanzliche Anteil deshalb unkompliziert unter die übrigen Komponenten mischen.
Und wenn mein Hund kein Gemüse frisst?
Dann muss daraus kein täglicher Kampf am Futternapf werden.
Manche Hunde mögen bestimmte Gemüse- oder Obstsorten schlicht nicht. Andere sortieren sie konsequent aus oder vertragen einzelne Komponenten nicht.
In solchen Fällen kann zunächst geprüft werden, ob andere geeignete Sorten oder eine andere Zubereitungsform besser akzeptiert werden.
Und wenn Obst und Gemüse tatsächlich nicht sinnvoll eingesetzt werden können, kann der vorgesehene Faseranteil einer Ration auch anders gestaltet werden.
Genau hier wird individuelle Rationsplanung wichtig.
Obst und Gemüse können ersetzt werden
Eine Ration muss nicht zwangsläufig daran scheitern, dass ein Hund keine pflanzliche Mischung frisst oder bestimmte Bestandteile nicht verträgt.
Es stehen unterschiedliche Faserquellen zur Verfügung, die je nach Hund und gewünschter Funktion eingesetzt werden können.
Welche davon geeignet ist und in welcher Menge sie verwendet werden sollte, hängt jedoch von der gesamten Ration und vom jeweiligen Tier ab.
Deshalb möchte ich an dieser Stelle bewusst keine pauschale Ersatzmenge nennen.
Einfach das Gemüse wegzulassen und irgendeinen Ballaststoff in beliebiger Menge hinzuzufügen, wäre nicht dasselbe wie eine entsprechend angepasste Rationsgestaltung.
Und genau solche Anpassungen gehören zur Ernährungsberatung
Ein Futterplan muss nicht nur auf dem Papier funktionieren. Er muss auch zum Hund und zum Alltag seines Halters passen.
Frisst ein Hund bestimmte Bestandteile nicht, verträgt er sie nicht oder gibt es andere Gründe, weshalb die übliche Zusammenstellung nicht funktioniert, kann geprüft werden, wie die betreffende Komponente sinnvoll ersetzt werden kann.
Das betrifft übrigens nicht ausschließlich Obst und Gemüse. Auch bei anderen Bestandteilen einer selbst zusammengestellten Ration können unter bestimmten Voraussetzungen Alternativen notwendig sein.
Welche Lösung sinnvoll ist, lässt sich aber nicht pauschal für jeden Hund beantworten.
Auch bei Kochrationen und Reinfleischdosen spielen Faserstoffe eine Rolle
Das Thema beschränkt sich außerdem nicht auf BARF.
Auch bei einer selbst gekochten Ration oder einem individuell zusammengestellten Futterplan auf Basis von Reinfleischdosen muss die gesamte Ration betrachtet werden.
Nur Fleisch zu kochen oder eine Reinfleischdose zu öffnen, ergibt noch keine vollständige und ausgewogene Fütterung.
Je nach gewähltem Fütterungskonzept müssen auch hier unter anderem Faserstoffe und die weitere Nährstoffversorgung berücksichtigt werden.
Fazit
Obst und Gemüse erfüllen in einer BARF-Ration vor allem als Lieferanten verschiedener Faserstoffe eine wichtige Funktion.
Sie unterstützen damit unter anderem Verdauung und Darmmikrobiom und liefern darüber hinaus verschiedene Pflanzeninhaltsstoffe.
Das bedeutet jedoch nicht, dass eine individuell zusammengestellte Fütterung unmöglich wird, wenn ein Hund Obst oder Gemüse nicht frisst oder bestimmte Sorten nicht verträgt.
Für nicht geeignete oder nicht verträgliche Komponenten können Alternativen gefunden werden – diese sollten jedoch zur gesamten Ration und zum jeweiligen Hund passen.
Genau darin liegt ein Teil individueller Ernährungsberatung: Nicht der Hund muss irgendwie in einen vorgegebenen Futterplan passen, sondern der Futterplan wird so gestaltet, dass er für den jeweiligen Hund ernährungsphysiologisch sinnvoll und im Alltag tatsächlich umsetzbar ist.
Quelle / weiterführende Literatur:
Meyer, H. / Zentek, J.: Ernährung des Hundes
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